Was ist SimRacing?

Als Motorsportfan kommt man in den sozialen Medien seit einiger Zeit um einen Begriff nicht mehr herum: SimRacing, bzw. Sim Racing. Aber was ist dieses Phänomen, was sind die Unterschiede zum “echten” Motorsport, und wie fange ich damit an?
Der Begriff SimRacing kommt aus dem Englischen und vereint die Wörter Simulated Racing, also simulierter Rennsport. Hierbei wird versucht alle Eigenschaften des realen Rennsports in der virtuellen Welt zu simulieren, wie z. B. das Fahrverhalten der Fahrzeuge, die Geometrie der Rennstrecke oder auch Umwelteinflüsse.

Die ersten Versuche Rennsport möglichst realistisch auf einem Bildschirm abzubilden findet man schon im Jahr 1976, als Atari/Namco mit dem F-1 die erste 3D-Rennsimulation auf den Markt brachte. Während dieser Arcade-Automat damals absolut einzigartig war, ist er mit dem heutigen Stand der Technik natürlich nicht mehr vergleichbar. Mit der Verbreitung der Heimcomputer war es möglich die Simulationen noch einmal weitaus komplexer zu gestalten, weshalb man heutzutage zwischen Rennspielen und Rennsimulationen unterscheidet.

Bei heutigen Rennspielen handelt es sich um Arcade-Simulationen die an manchen Stellen an Realitätsgrad einbüßen um den Spielspaß zu erhöhen, wie beispielsweise Fahrzeugsetup, Fahrverhalten und Schadenssimulation. Die waschechten Rennsimulationen tauchen hier wesentlich tiefer ein, sie versuchen das möglichst realistische Simulieren des echten Motorsports. Das professionelle SimRacing greift deshalb verständlicherweise auf die letzteren zurück.

Durch den heutigen Stand der Technik und den extremen Realismus der Rennsimulationen stellt SimRacing inzwischen eine echte Alternative zum Motorsport dar. Ein nennenswerter Faktor sind hier die Kosten, denn ein Testtag auf einer Rennstrecke kostet schnell mal an die 1000€. Zuzüglich den Betriebskosten des Fahrzeugs wie Kraftstoff und andere Verschleißteile. Und passiert mal ein Unfall, wird es richtig teuer. Dem gegenüber steht ein Rennsimulator der, sobald er einmal steht außer den Stromkosten und eventuellen Kosten für die Rennsimulation, keine laufenden Kosten verursacht.
Ein weiterer Vorteil des Rennsimulators ist die Sicherheit. Wie jeder weiß ist Motorsport gefährlich, insbesondere dann wenn der Fahrer das Fahrzeug am Limit bewegt. Überschreitet er dieses Limit wird es nicht nur teuer, sondern auch schmerzhaft, wenn nicht sogar schlimmer. Im Rennsimulator hingegen ist nach einem Tastendruck wieder alles in Ordnung.
All dies führt dazu, dass auch echte Motorsportteams immer häufiger Rennsimulatoren einsetzen, um Strecken zu trainieren oder ans Limit und darüber hinauszugehen. Moderne Rennsimulationen bieten die Möglichkeit Fahrzeug- und Streckendaten auszugeben und diese mithilfe von Programmen wie MoTeC zu analysieren. Dies kann dabei helfen beispielsweise Bremspunkte oder generell die Fahrtechnik zu optimieren.
Aber das Training im Simulator verbessert nicht nur physische Aktionen eines Fahrers, sondern bietet auch Potential auf der mentalen Ebene. So kann es die Konzentration und Reaktionsschnelligkeit fördern und hilft dem Fahrer dabei kritische Situationen besser einschätzen zu können.

So, du hast nun Lust bekommen mit SimRacing anzufangen und fragst dich was du dafür benötigst? Los geht es mit der Software, der Rennsimulation an sich. Hier gibt es viel Auswahl, und jeder SimRacer wird dir wahrscheinlich die Simulation empfehlen in der er unterwegs ist. Welche für dich jedoch am besten ist, musst du für dich entscheiden, auch abhängig von der Plattform. Dies sind die wohl populärsten:

iRacing (PC)

Assetto Corsa (PC, PS4, Xbox One)
Assetto Corsa Competizione (PC)

rFactor 2 (PC)

RaceRoom Racing Experience (PC)

Damit die Rennsimulation nun auch läuft benötigst du natürlich noch einen PC oder die entsprechende Konsole. Auch wenn die Software wahrscheinlich auf fast jedem modernen Heimcomputer funktionieren wird, benötigst du wohl einen etwas leistungsstärkeren PC damit sie auch flüssig, also mit mindestens 60 FPS, läuft. Zum Einstieg wird hierbei ein guter Quad-Core Prozessor, mindestens 8 GB Arbeitsspeicher sowie eine vernünftige Grafikkarte mit mindestens 2 GB Speicher ausreichen. Außerdem ist eine SSD Festplatte, ein gutes Mainboard und Windows 10 empfehlenswert.
Soll die Grafik jedoch hochgeschraubt oder mit mehr als einem Bildschirm gefahren werden wird ein Upgrade notwendig, beispielsweise auf ein Komplettpaket von G-Performance.
Hiermit ist dann auch ein sogenanntes Triple-Screen Setup möglich. Bei einem Triple-Screen Setup befinden sich rechts und links neben dem zentralen Bildschirm jeweils ein weiterer, angewinkelter Bildschirm. Dies trägt massiv zur Immersion, also dem “Mittendrin-Gefühl” bei, da man nun auch sieht was neben einem passiert.
Möchtest du dieses Gefühl noch steigern, führt kein Weg an Virtual Reality vorbei. Mit einer VR-Brille auf dem Kopf, wird jede Bewegung des Kopfes auf die Bewegung der Figur in der Simulation übertragen, und zwar dreidimensional.

Du hast nun eine Rennsimulation, einen PC bzw. eine Konsole wo die Software flüssig drauf läuft sowie einen oder mehrere Bildschirme oder gar eine VR-Brille. Um los zu fahren, fehlen dir nun nur noch die Eingabegeräte. SimRacing wird nicht mit der Tastatur oder einem Controller betrieben. Es sind spezielle Lenkräder, Pedale und ggf. weitere Accessoires notwendig, denn noch immer ist der Anspruch da echten Motorsport möglichst realistisch zu simulieren.

Lenkrad:
Beim Kauf eines Lenkrads sollten Einsteiger unbedingt auf den möglichen Lenkeinschlag, empfehlenswert sind hier Lenkräder mit 900° oder 1080°, und das sogenannte Force Feedback achten. Dies sorgt dafür, dass die Rennsimulation Effekte wie beispielsweise Bodenwellen realistisch an den Fahrer überträgt. Einsteigern empfehlen wir einen Blick auf das Thrustmaster T300 zu werfen. Für um die aktuell 250€ erhält man ein in der Preisklasse sehr gutes Einsteigerlenkrad inkl. Pedalerie. Legt man Wert auf ein etwas hochwertigeres, aber auch teureres Lenkrad, so lohnt sich ein Blick auf die Produkte von Fanatec.
Das aktuelle Nonplusultra sind sogenannte Direct Drive Lenkräder. Hierbei wird das Force Feedback nicht mit Hilfe eines Riemens vom Motor an das Lenkrad übertragen, sondern wie der Name schon sagt direkt. Bei diesen Lenkräder landet man kostenmäßig jedoch schnell im vierstelligen Bereich.

Pedale:
Bei Einsteigerlenkrädern, wie dem Thrustmaster T300, ist meistens bereits eine Pedaleinheit mit dabei. Diese Pedale werden dir auf Dauer jedoch keinen Spaß bereiten, und es wird ein Upgrade nötig. Der nächste Schritt sind sogenannte Loadcell Pedale. Der Umstieg auf ein Loadcell Bremspedal ist für viele SimRacer das wichtigste Upgrade. Bei einem Loadcell Pedal bestimmt nicht der Weg den das Pedal zurücklegt die Bremswirkung, sondern die Kraft mit der es gedrückt wird. Da sich das menschliche Gehirn Kraft besser merken kann, wirst du mit diesem Upgrade konstantere Rundenzeiten fahren! Sehr beliebt sind die Fanatec CSL Elite LC Pedale oder aber die durchaus hochwertigeren aber teureren Pedale von Heusinkveld.

Accessoires:
Während Lenkrad und Pedale Must-Haves für das SimRacing sind gibt es zahlreiche Erweiterungen, die du nicht zwangsläufig brauchst, die aber nett sind und das Realitätsgefühl erhöhen oder die Bedienung vereinfachen. Hierzu zählen Gangschaltung, Handbremse, Button-Boxes oder auch Dashboards. Vor Allem die beiden zuletzt genannten werden in der Community auch sehr gerne selber gebaut. Hierbei kommen teils echt sehenswerte Ergebnisse zustande!

Nachdem du nun ein Lenkrad, Pedale und vielleicht noch ein paar Accessoires hast, stellt sich dir nun sicherlich die Frage wo du das Ganze überhaupt befestigst. Die kostengünstigste Variante ist hier sicherlich dein Schreibtisch. Für viele Einstiegs- und Mittelklasse-Lenkräder gibt es Tischklemmen, mit denen du dein Lenkrad einfach am Schreibtisch befestigen kannst. Nun noch die Pedale unter den Tisch, ein Stuhl davor und es kann losgehen!
Diese Variante ist jedoch für Loadcell Pedale, Lenkräder mit stärkerem Force Feedback oder Direct Drive Lenkräder nur bedingt beziehungsweise gar nicht geeignet. In der SimRacing Szene haben sich deshalb sogenannte “Rigs” aus Aluminiumprofilen etabliert. Diese sind sehr stabil und dank der Nuten nachträglich einfach erweiter- und modifizierbar. Für den richtigen Sitzkomfort wird häufig auf alte Autositze oder richtige Schalensitze aus dem Motorsport zurückgegriffen.
Noch ein Stück realistischer sind die sogenannten “Motion Rigs”. Auch diese sind meistens aus Aluminiumprofilen gebaut, bewegen sich aber und geben dem SimRacer somit zusätzliches physisches Feedback über das Verhalten des Fahrzeugs auf der Strecke.

Nun hast du alle Infos die du brauchst um mit SimRacing durchzustarten! Falls du noch Fragen zum Einstieg hast oder schon SimRacer bist und den nächsten Schritt, nämlich in ein SimRacing Team, wagen willst meld dich einfach bei uns.
Schon bald steht wieder das Highlight des Jahres an, die SimRacing Expo am Nürburgring. Hier kannst du professionelle Simulatoren testen, dich mit SimRacern unterhalten und spannende Zweikämpfe der weltweit besten SimRacer beobachten:

SimRacing Expo 2018 Highlights:

SimRacing Expo 2019 Highlights: